Geschichte und Fakten


Bei den Nokota-Pferden handelt es sich um eine einzigartige Pferderassen, die in den USA offiziel als "Horses of the Northern Plains" anerkannt ist und sich auf die Pferde der als großes Reitervolk bekannten Lakota- Indianer und ihrem Indianerhäuptling Sitting Bull zurückführen lassen.

1881 kapitulierte Häuptling Sitting Bull und die Armee entfernte alle Waffen und knapp 2.000 Pferde der Lakota-Indianer.
Diese Pferde wurden zum größten Teil verkauft, viele befanden sich weiterhin in North Dakota und nachweislich kaufte der französische Marquis De Morès über 250 dieser robusten und ausdauernden Pferde.
Auch H.T. Huidekopper kaufte über 60 Pferde und kreuzte sie später mit Percherons und Thoroughbreds, so daß er die Vorteile der Nokotas

- Intelligenz, Ausgeglichenheit, klarer Kopf, starkes Sozialverhalten, kräftige Knochen, große Hufe, Ausdauer und Schnelligkeit -

auf seine großrahmigeren Ranchpferde verteilen konnte.
Diese Blutlinien sind letztendlich die Basis für den sogenannten "Ranch Type Nokota". Dieser ist gegenüber dem "Traditionel Type", also den Indianerpferden wie sie der Marquis weiterzüchtete, größer und etwas anders gebaut.

Im bitterkalten Winter 1886 mußten viele Rancher in North Dakota ihr Zuhause fluchtartig verlassen, da mangelnden Nahrungsreserven, Schnee, Kälte und Stürme ein Überleben kaum möglich machten.
Wie viele verließ auch der Marquis seine Ranch und überließ die Pferde sich selbst.

Dort befinden sie sich teilweise bis heute, da diese Pferde ins Vergessen gerieten und fast ein Jahrhundert von Menschen unberührt und durch die harte Umgebung der unzugänglichen "Badlands" von North Dakota einer harten Selektion unterzogen wurden. Dieses "schlechte Land" aus karger Vegetation, Temperaturen von plus bis minus 40° Celsius, hoher Schnee, kaum Bäume als Schutz, Hügeln und Steilhängen die durch das Gestein mit wenig Regenwasser gefährlich rutschig werden und zu reißenden Sturzbächen führen, auch Angriffe von Pumas und Berglöwen, haben diese Pferde zuerst reduziert. Alle Überlebenden hingegen sind durch die natürliche Selektion besser angepaßt und stärker daraus hervorgegangen.

Die alte Ranch kann heute noch in Medora, ND besichtigt werden. Dort befindet sich auch der Südeingang des heutigen Theodore Roosevelt National Parks, indem sich noch immer etwas Nokotablut befindet. Aber durch die Politik des Nationalparks, die vorhandenen "Wildpferde" mit dominanten Hengsten (Quarter Horses, Shirehorse, Araber,...) zu mischen, schwanden leider die vorhandenen Blutlinien und wurden immer mehr geschwächt.

Auf die einzigartige Geschichte der Pferde im und um den Theodore Roosevelt Park wurde Castle McLaughlin (von der Harvard University) aufmerksam, die Mitte der 1980`er vom Nationalpark eingestellt wurde. Sie sollte den Status der Pferde untersuchen und ihre Empfehlung war letztendlich den eigentlichen Pferdetyp zu erhalten.

Sie wurde darauf aufmerksam, dass es sich hier um eine eigene Pferderasse und nicht ein zufälliges Wildpferd oder Mustangs (Wildpferde mit spanischer Abstammung) handelt. 2018 wurden weitere Ergebnisse von einer über 5 Jahre laufenden Studie veröffentlicht, die die erstaunliche genetische Abstammung und Einzigartigkeit dieser Pferde unterstreicht.

Dabei ist auffällig, dass der Genpool aus "nordischem" Blut und anderen Genmarkern besteht, die diese Pferde als interressantes Verbindungsglied darstellen. Die Wikinger erreichten schon lange vor Columbus (um 1.000 und wie Untersuchungen ergaben auch noch früher) Amerika und auch der walisiche Prinz Maddock segelte 300 Jahre vor Columbus nach Amerika. Wie damals üblich nahm man Pferde mit - als Reittiere und zur Not als Nahrung.
Auf die Waliser gehen Begriffe in der Sprache und des Aussehens ("auffällig viele Indianer mit blauen Augen und blonden Haaren") der Mandan-Indianer zurück. Diese wurden wie viele Indianerstämme leider fast vollständig ausgerottet, dies erschwert genetische Untersuchungen heutzutage.

Von den ersten Reisenden in Nordamerika kann man anhand von Berichten und Malereien nachweisen, wie sehr sich die Pferde von Nord- und Südamerika unterschieden haben und wie oft im Norden auffällig kleinere quadratische Pferde mit tiefem Schweifansatz und viele in "blauer" Fellfarbe (blue roan) zu sehen waren, während die Pferde im Süden eher europäischen/ spanischen Pferden mit langen Beinen und hohem Schweifansatz ähnelten.
Diese und neuere Untersuchungen sprechen mittlerweile dafür, dass das amerikanische Urpferd höchstwahrscheinlich nie ausgestorben ist und sich Pferde der Wikinger und andere "nordische Pferde" (Skandinavien, England und Nordfrankreich) mit diesen gekreuzt haben.

Im Moment versuchen nur die Schutzorganisationen und private Züchter die Blutlinien der früheren Nokotas zu erhalten.

Der Name "Nokota" wurde den Pferden Ende der 1970er Jahre von Leo Kuntz verliehen - zu Ehren der Lakota/Dakota- Indianer und des Staates North Dakota. Leo Kuntz und seiner Familie kann man letztendlich die Rettung dieser seltenen Pferde verdanken.

Leo Kuntz verbrachte Anfang der Siebziger viel Zeit im T. Roosevelt Park, um nach dem Grauen und einem Bauchdurchschuß im Vietnamkrieg überhaupt wieder zu sich selbst zu finden.
Er hatte sein Leben immer mit Pferden auf der Familienranch verbracht und das soziale Verhalten, der gute starke Knochenbau und die Ausdauer, ließen in ihm die Idee aufkommen, diese Pferde mit seinen Ranchpferden zu kreuzen, um diese intelligenter, härter und stärker zu machen.

Er begann bei den Roundups des Nationalparks Pferde zu kaufen und bemerkte bald wie außergewöhnlich diese Pferde, im Verhältnis zu allen Pferden waren, die er bis dahin gesehen hatte. Das ausgeprägte soziale Verhalten, die Bindung zu den (menschlichen) Partnern, das Überdenken, ob sich eine Flucht wirklich lohnt und die Neugierigkeit, mit der auf fremde Dinge und Situationen reagiert wird, machen diese Pferde zu einzigartigen Partnern.

Leo nahm an vielen Pferderennen im Gelände teil, auch an sogenannten "Selbstmordrennen", die diesen Namen erhielten durch den erbarmungslosen Kurs durch unwegsames Gelände und die vielen Stürze und Unfälle bei höchster Geschwindigkeit. Damals ritt Leo den Nokotahengst "Bad Toe", der immer unter den ersten Pferden im Ziel landete und auf dem nach dem Rennen Kinder gelassen reiten konnten.
Dieses Hengst hat niemals sich oder Leo verletzt, da er sich (wie bei Nokotas üblich) aktiv durch Situationen gedacht, bedacht seine Hufe gesetzt und eine starke Verbindung zu seinem menschlichen Partnern aufgebaut hatte.
Leo bezeichente dieses Pferd als "gas horse", da Bad Toe immer genug Geld gewann, um das Geld für das Benzin zum nächsten Rennen zusammen zu bekommen.

Nachdem Leo und seine Familie immer mehr von den Nokotas fasziniert waren, kauften sie bei jedem Roundup so viele Pferde wie möglich, um diese im Zweifel vor dem Schlachter zuretten. Bis Ende der 1980er Jahre erstand so die Kuntz Familie alle Pferde, die die heutige Grundlage für die sogenannten "Nokota-Pferde" bilden.

1999 gründete Leo die aus Spenden finanzierte Schutzorganisation "Nokota Horse Conservancy" und der Name "Nokota" ist darüber registriert und geschützt.
Leos Bruder Frank versorgt noch heute die Pferde der Conservancy. Die gesamte Kuntz Familie ist auf irgendeine Weise mit den Pferden verbunden.

15 Jahre später zog Leo sich aus der Conservancy zurück und gründete eine weitere Schutzorganisation "Nokota Horse Preservation Ranch" mit seinen fast 200 bis dahin privat finanziert, geschützt und gezüchteten Nokotas.
Leider ist Leo Kuntz überraschend bei einem Unfall im August 2018 verstorben und daher ist die Zukunft des Nokota Pferdes umso ungewisser.
Leos Traum vom Überleben dieser speziellen Pferde lebt weiter in allen Pferdefreunden, die sich für den Schutz, Erhalt und die Verbreitung der Nokotas einsetzen.


weitere Infos unter der amerikanischen Seite der Schutzorganisation:     www.nokotahorse.org

FAKTEN


Intelligente Pferde mit ausgeglichenem, sozialem, verspieltem Temperament mit deutlicher Körpersprache.
„Problemlöser“, die sich aktiv durch Situationen denken

Blue roan, schwarz und Schimmel sind die häufigsten Farben dieser Rasse

Das Stockmaß liegt zwischen 1,33 -1,70m, im Durchschnitt ca. 1,48m. Die größeren Pferde nennt man „Ranchtyp“ die kleineren „Traditinaltyp“.

Sehr farbenfroh, Schecken, Spiegelblessen “baldfaces“ und blaue Augen kommen häufig vor, die dominierenden Farben sind schwarz, weiß oder schwarze Pferde mit Stichelhaaren auch bezeichnet als „blue roan“. Blue und red roan sind häufig unter den Nokota, allerdings selten in anderen Rassen.

Tief angesetzter Schweif, von hinten wirken die Pferde viereckig

Angenehme, weiche, gleichmäßige Gangarten, ein Teil zeigt den „Indian shuffle“ eine Extragangart ähnlich dem Tölt

Kräftige Knochen und große starke Hufe

Gesunde und genügsame Pferde